Die Geidorfstub’n, Graz

Ich komme aus einem kleinen Ort vom Land. Da gab es einen Dorfwirt. Wenn man die leicht raunzende Tür öffnete, betrat man einen von dunklem Holz dominierten Raum, in dem die Patina Geschichten von vielen legendären Abenden und Nächten erzählen kann. Mittlerweile gibt es die am Land leider schon kaum mehr.

Umso erstaunter war ich, ein derartiges Gasthaus in Graz zu finden – und das gleich bei mir ums Eck: Die Geidorfstub’n. Das Leuchtschild war uns schon länger aufgefallen. Irgendwann beschlossen wir dann, das Gasthaus auszuprobieren. Ich öffnete die leicht raunzende Tür, ging hinein und fühlte mich sofort zuhause und willkommen. Das dunkle Holz, die Patina, die Leute an der Theke und die wohl charmantesten Wirtinnen von Graz, Kathi und Michi. Damals haben wir nur ein Bierchen getrunken. Das wird dort sehr liebevoll gezapft und wird mit einer der wohl schönsten Schaumkronen serviert. Binnen kürzester Zeit waren wir in nette Gespräche mit anderen Gästen und den beiden Betreiberinnen verwickelt und wir beschlossen, der Geidorfstub’n öfters einen Besuch abzustatten.

Und das taten wir mittlerweile schon oft und werden es auch noch öfters tun. Mittlerweile gehen wir hauptsächlich zum Essen hin und wurden noch nie enttäuscht. Hier wird mit Liebe gekocht. Die Speisekarte ist eher klein gehalten, was völlig in Ordnung ist, da die Küche eine One-Woman-Show ist, die entweder von Kathi oder Michi geschupft wird. Ergänzt wird die Karte durch tagesaktuelle Gerichte, die mündlich angepriesen werden.

Der Klassiker in der Geidorfstub’n ist definitiv das Beef Tartar. Die Portion ist sehr groß und wirklich sehr gut.

Das Beef Tartar wird begleitet von Butter, Zwiebeln, Tomaten, einer eingelegten Paprika, fein gehäckselten frischen Chilis und mindestens 5 Stück Toastbroat. Es ist ideal abgeschmeckt, sehr würzig, aber nicht zu sehr. Es ist einfach nur gut. Es ist das beste, das wir in Graz bisher bekommen haben.

Ein weiterer Klassiker, der zwar nicht auf der Karte steht, aber doch meistens zu haben ist, ist die Wildcremesuppe.

Sie wird mit Sahnehäubchen und Preiselbeeren serviert. Dazu kommt noch das Gebäckkörberl mit den herrlichen, frisch aufgebackenen Salzstangerln, die aber extra bezahlt werden müssen. Die Suppe ist ebenfalls so richtig gut abgeschmeckt und schmeckt toll nach Wild – was auch kein Wunder ist, da tatsächlich viel Fleisch drinnen ist. Wenn man keinen großen Hunger hat, kann die Suppe eine vollwertige Mahlzeit sein.

Als Nachspeise ist der Schoko-Mandel-Kuchen sehr empfehlenswert. Diesen zu beschreiben, ist eigentlich kaum möglich, da mein Vokabular dafür nicht ausreicht. Die Worte können gar nicht so dicht gepackt sein, wie die Schokolade in diesem Kuchen. Allein ein Blick darauf reicht schon, und der Zeiger an der Waage zuhause fängt nervös zu zucken an. Aber das ist einem spätestens in dem Moment egal, wenn das erste Stück im Mund landet und…. Mmmmmmmmh! Hingehen, ausprobieren! Das muss man selbst erlebt haben.

Und beim Rauchen kommen die Leut z’samm: Geraucht wird nur im Thekenbereich und am Stammtisch, der dort steht. Der ist recht groß und wird dann von vielen Leuten besetzt, die sich zuvor vielleicht noch gar nicht kannten, aber im Laufe des Abends, zumindest für diesen kurzen Zeitraum, zu Freunden werden.

Fazit: Die Geidorfstub’n ist ein Dorfgasthaus mitten in der Stadt, mit exzellenter Küche, den besten Wirtinnen und netten Gästen. Oh, und bevor ich’s vergesse: Es gibt kein Schnitzel in der Geidorfstub’n.

Meine völlig subjektive Bewertung: 9 von 10 Bierschaumkronen

 

 

 

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